09 Western Australia – Coral Coast 4

So langsam entfernen wir uns von der bewohnten Welt. Stundenlang geht es geradeaus durch die Buschlandschaft, nur selten kommt ein Auto entgegen.

Das hier ist Farmland. Riesige Rinder- und Schaffarmen, die man hier „Stations“ nennt, erstrecken sich über tausende Hektar. Auf manchen kann man übernachten, ansonsten bleiben nur Roadhouses. Eines davon mit dem für uns unwiderstehlichen Namen „Overlander“ steuern wir an. Wenn man keinen Strom braucht, steht man hier umsonst, auf einem riesigen Gelände, das teilweise unter Wasser steht, neben glänzenden Stahltanks und einem überdimensionalen Telegraphenmast, der ein beständiges Summen von sich gibt. Irgendwie eine seltsam-coole Szenerie, die auch zu einem Film passen würde.

Am nächsten Morgen besuchen wir den nahegelegenen Hamlin Pool. Dies ist der zweite, noch etwas berühmtere Ort, an dem noch lebende Stromatolithen anzutreffen sind. Spektakulär an ihnen ist, dass sie Abkommen der allerersten Lebensformen sind, die je auf der Erde existiert haben: seit unfassbaren dreieinhalb Milliarden Jahren gibt es diese urzeitlichen Organismen schon, und genauso lange sondern sie zusammen mit Cyanobakterien kleine Sauerstoffbläschen ab. Erst nachdem sie das zwei Milliarden Jahre lang als einzige Lebensform auf Erden gemacht hatten, war so viel Sauerstoff in der Atmosphäre, dass sich höhere Lebensformen entwickeln konnten. Ziemlich verrückt, wenn man darüber nachdenkt…

Weil sie von diesen höheren Lebensformen ironischerweise nach und nach fast alle aufgefressen wurden, sind heute fast die einzigen Überlebenden diese hier, die zufällig in derart salzigen bitterem Wasser leben, dass ihnen bis heute keiner ihrer Fressfeinde in die Nähe kommt. Und so sitzen die kleinen Kerlchen vor uns da im Wasser und blubbern weiter Sauerstoffbläschen.

Nur ein paar Kilometer weiter findet sich das nächste Naturwunder: „Shell Beach“, ein gleißend heller Strand, der nicht aus Sand, sondern ausschließlich aus schneeweißen winzig kleinen Muscheln besteht. Nichts anderes, metertief. Zum Baden ist das nichts, die Dinger sind scharfkantig, und auch dieses Wasser ist extrem salzig und eiskalt, aber schön und unwirklich ist das schon auch.

Weiter geht’s rein nach Shark Bay. Hier empfängt uns ein wunderschöner Aussichts-Boardwalk namens „Eagles Bluff“. Man guckt von einem Kliff weit oben hinab in eine seichte Bucht, in der man praktisch alles sehen könnte, was es hier im Wasser so gibt: Seekühe, Schildkröten, Rochen, Delphine, und natürlich Haie. Wir fangen mal mit einer Schildkröte an. 😉

Den Francois Peron-Nationalpark am Ende der Halbinsel darf man nur mit Allradfahrzeugen befahren. Für uns eine willkommene Gelegenheit, mal zu schauen, wie wir mit unserem neuen Auto im Gelände so zurechtkommen. Also Luft aus den Reifen und ab in den roten Sand.

Sehr schwierig ist es nicht, unser Cruiser ist voll in seinem Element und bringt uns sicher und wohlbehalten zur kleinen Campsite im Park, für die wir am Vortag den allerletzten Übernachtungsplatz ergattert haben – hier muss man inzwischen fast alles online vorbuchen. Ein wunderschöner Ort ist das, idyllisch an einer Bucht gelegen, nur zwanzig Plätze verteilt in den Dünen. Alles wieder perfekt angelegt und ausgebaut, kleine Wanderwege, Buschtoiletten und komfortable Picknickplattformen mit Aussicht inmitten wundervoller Natur und Tierwelt.

Eine kurze Autofahrt bringt uns am nächsten Tag nach Monkey Mia, das für seine Delphinbegegnungen berühmt ist. Eigentlich ist es nur ein großes wunderschön angelegtes Resort samt Campingplatz einsam an einem perfekten weißen Strand, an dem seit Jahrzehnten Delphine leben. Erstmal empfängt uns ein Emu und ein paar Pelikane.

Schon bald bekommen wir aber auch die ersten Delphine zu sehen.

Frühmorgens gibt es eine „Delphin-Experience“, bei der einige Delphine gefüttert und vorgestellt werden. Obwohl es natürlich eine Touristenveranstaltung ist, wirkt alles sehr korrekt, entspannt und sympathisch.

Uns gefällt es hier, wir bleiben ein paar Tage und wandern in den Dünen und am Strand.

Wir machen eine Kayaktour und sehen Schildkröten und jede Menge Stachelrochen.

Und täglich besuchen uns die Delphine – was für ein wundervoller Ort!

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