Peru 6 – South

Arequipa empfängt uns mit einem Verkehrschaos, das sich gewaschen hat. Dies ist kein normaler Freitagsnachmittagsstau für eine Stadt, die kaum größer ist, als Frankfurt. Bereits 10 km vor unserem Ziel in der Innenstadt steht alles fest. Die erste Stunde ertragen wir noch stoisch. Dicht an dicht stehen die Autos, Busse und LKWs, nur zentimeterweise kommen wir vorwärts. Die zweite Stunde wird schon etwas härter. Immer aggressiver werden die Autofahrer, irgendwo scheint ein Tunnel gesperrt zu sein, die Leute fangen an, zu schimpfen und zu schreien, sie steigen aus, es wird auf Autos geschlagen, Polizisten schalten sich ein, wir hören Trillerpfeifen. Es wird langsam dunkel, jetzt wird gekämpft bis aufs Messer. Ohne Rücksicht auf Material, Leib oder Leben, die kleinste Unaufmerksamkeit wird bestraft. In der dritten Stunde verlieren auch wir langsam die Nerven und stimmen in das Geschrei mit ein. Schlussendlich erreichen wir nach dreieinhalb Stunden in tiefer Dunkelheit völlig kaputt unser Ziel. Dass Arequipa die schönste Stadt Perus sein soll, kommt uns noch etwas unglaubhaft vor.

Am nächsten Tag suchen wir entmattet Ruhe im schönen alten Kloster Santa Catalina.

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Irgendwann haben wir Kraft für ein paar Erledigungen, und endlich kommen auch meine Haare ab, wofür die Chefin zur Belustigung ihres Personals selbst beherzt zur Schere greift.

Tatsächlich ist Arequipa eine schöne Stadt, hell und freundlich, lebendig, mit vielen jungen Leuten, gemütlichen Bars und Cafes, und ganz sicher der schönsten Plaza de Armas, die wir bisher gesehen haben.

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Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa ist hier geboren, aber von einer tiefen Liebe und Verehrung, wie sie die Kolumbianer ihrem ‘Gabo’ entgegenbringen, ist man hier weit entfernt. Man hat eine Bilbliothek nach ihm benannt, ein Foto von ihm aufgehängt, und fertig.

Nach zwei Tagen wollen wir weiter, und uns graut schon vor dem Verkehr stadtauswärts. Aber am Morgen ist etwas Seltsames passiert. Alle Straßen sind menschenleer. Niemand da, alles völlig tot und ausgestorben. Gespenstisch! Was ist los? ‘Censos’, bekommen wir zur Antwort. Nach ein paar weiteren Nachfragen reimen wir es uns zusammen: in Peru ist Volkszählung! Landesweit heißt das hier mal locker Ausgangssperre und Fahrverbot für alle Peruaner – und paradiesische Straßenverhältnisse für uns. Die zehn Kilometer, für die wir vorgestern dreieinhalb Stunden gebraucht haben, absolvieren wir nun in einer Viertelstunde und fühlen uns irgendwie entschädigt Smile

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Wir klettern auf den Altiplano, eine gigantische Hochebene von rund 4.000m Höhe, die sich über drei Länder erstreckt. Umgeben von rauchenden Vulkanen passieren wir einen Pass von beinahe 5.000m, der von unzähligen Steinmännchen und anderen seltsamen Wesen bewacht wird.

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Unser Ziel ist der Colca Canyon, in dem morgens große Andenkondore die Thermik nutzen, um aus der tausende Meter tiefen Schlucht emporzusteigen. Wir verbringen eine eisige Nacht am Rande der Schlucht, finden am nächsten Morgen nicht nur eine Schicht Vulkanasche auf unserem Auto, sondern werden auch mit den größten Vögeln der Welt belohnt.

Sie steigen nicht nur neben uns hoch, sie schauen auch richtig bei uns Menschen vorbei, und drehen neugierig ihr Köpfe nach uns. Manche fliegen wirklich wenige Meter über unsere Köpfe hinweg. Wir können ihnen in die Augen sehen, ihre Schnäbel, und ihre Krallen erkennen. Diese Momente können wir nicht fotografieren. Aber wir hören den Lufthauch dieser mächtigen Tiere und können ihn spüren. Für uns, die wir solche Tierbeobachtungen lieben, ist das unbeschreiblich schön.

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Vorbei an Grabtürmen aus alten Vor-Inka-Zeiten nähern wir uns langsam dem Titicacasee.

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Sechs Wochen haben wir in Peru verbracht, einem riesigen Land voller Sehenswürdigkeiten, einem Land voller Schönheiten, mit vielen Höhen und Tiefen, im wörtlichen, wie auch im übertragenen Sinn. Für uns war es sehr intensiv und aufregend, aber auch anstrengend, und nun freuen wir uns auf Bolivien.

7 Antworten auf „Peru 6 – South“

  1. tolle bilder , interessante kommentare, informativ, lehrreich und sehr neid-erregend – dankeschoen fuer diesen neuen bericht. bleibt weiter gesund, munter und habt keinen aufenthalt, der nicht gewuenscht wird (siehe: verkehrsstau – koennt ihr hier in deutschland auch haben)

    alles liebe
    marina

  2. Meno, wie fleißig ihr seid! Ihr wißt wohl wie begierig wir auf eure Berichte sind, und wie wir uns freuen an euren Abenteuern teihaben zu dürfen und die schönen Fotos genießen können ohne die unvermeidlichen Unanehmlichkeiten ertragen zu müssen . Hier in Frankfurt versäumt ihr fast nichts! Heute ist Stadtmarthon es regnet und es ist stürmisch.
    Dela zeig mal wie sie Dir die Haare abgeschnitten haben. Die waren doch so schön, aber sicher unpraktisch.
    liebe Grüße und Kussis
    die family
    Heute ist Party angesagt: Lulu feiert heute ihren 8. Geburtstag!

  3. So ihr lieben,

    nach dem ich die letzten Wochen nur „heimlich“ mitgelesen habe möchte ich nun langsam mal wieder das ein oder andere Bussi sowie den ein oder anderen Klopfer verteilen 😉

    Jetzt aber erstmal viel Spaß und eine gute Zeit in Bolivien

    Bussi und Klopfer
    Sven

  4. Ha Marc en Dela,

    De drukte is hier inmiddels weer toegeslagen en de vakantie lijkt inmiddels weer lang geleden, maar het doet goed zo even door jullie nieuwste verslagen heen te scrollen. Veel herkenbare foto’s, maar ook heel veel dingen waar wij helaas niet aan zijn toegekomen. Doet toch weer terugverlangen zo!

    Nogmaals, was heel gaaf dat het gelukt was om elkaar in Lima te zien. En vooral, heel veel plezier en reisgenot nog de komende maanden!

    Groeten,

    Jan

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