Brasil 2 – South

Hier auf der Südhalbkugel kehrt langsam der Herbst ein, und je weiter südlich wir kommen, desto kühleres Wetter können wir erwarten. Wir lassen uns also so viel Zeit, wie es eben geht.

Aus Regentagen machen wir Fahrtage, aber sobald sich die Sonne zeigt, suchen wir uns ein schönes Plätzchen und lassen uns nieder. In der Nachsaison ist hier nicht mehr allzuviel los, und wir genießen an menschenleeren Stränden ruhige spätsommerliche Tage.

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Ab und zu besuchen wir eine dieser sagenhaften Churrascarias. Es gibt verschiedene Varianten der hier sehr populären Restaurants, aber fast immer handelt es sich um so eine Art all-you-can-eat mit Schwerpunkt auf gegrilltem Fleisch. Inzwischen beherrschen wir die Kunst, uns hier auf das Wesentliche zu konzentrieren: wir ignorieren gepflegt sämtliche Vorspeisen und Beilagen außer ein paar Salatblättern, auch Würste, die regelmäßig angebotenen Hühnerherzen oder Geflügelteile lassen wir schnöde links liegen. Dafür kosten wir alle Arten köstlicher Steaks und Lenden, knuspriger Lammkotelettes und schmelzig-saftiger Schweinebäuche. Davon essen wir, soviel wir eben können, ohne zu platzen, schieben als Dessert zwei Scheibchen frische Ananas hinterher, lehnen uns zufrieden zurück und brauchen für die nächsten 24 Stunden nichts mehr zu essen.

Das machen wir so alle drei, vier Tage, zwischendurch besichtigen wir ein Schildkrötenprojekt, machen ein paar Kilometer im Regenwetter, und dann wieder lange Strandspaziergänge in dieser milchig-milden Spätsommersonne.

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Ueli und Myrta aus der Schweiz, die ein ganz ähnliches Auto fahren wie wir, hatten wir letztes Jahr im August in Ecuador kennengelernt. Wir fanden es schon grandios, sie im Januar ganz unten in Chile am Ende der Carretera Austral zufällig wiederzusehen. Nun treffen wir uns hier in Brasilien zum dritten Mal – völlig unerwartet, wir hatten uns jeweils runde tausend Kilometer weit weg vermutet. Nun verbringen wir etwas Zeit miteinander, trinken Caipirinhas, kochen mit unseren Colemans (nicht nur unsere Autos sind ähnlich, auch Teile der Ausstattung) riesige Fische, und stürzen uns in die Atlantikwellen. (4 Fotos by Ueli)

 

Der Süden von Brasilien entspricht nicht sehr den allgemeinen Klischees dieses Landes. Im Sommer machen hier die Argentinier Urlaub, ansonsten verirren sich nicht allzu viele Ausländer hierher. Das Klima ist eher gemäßigt, und bis auf die Strände gibt es kaum spektakuläre Sehenswürdigkeiten. Aber was uns wirklich umhaut, sind die Brasilianer! Seit dem Beginn unserer Reise in Kolumbien sind wir nicht mehr einer solchen Menge derart herzlicher, aufgeschlossener, hilfsbereiter und begeisterungsfähiger Menschen begegnet. Dauernd werden wir angesprochen, ausgefragt, beschenkt und eingeladen. Auf der Straße werden wir ständig angehupt (das macht man hier zum Gruß, nicht wie bei uns als Protest), bekommen zugewunken und Daumen hoch gezeigt.

Schon in Foz de Iguacu haben wir mit Fabiana und Marcelo viel Spaß, wir quatschen über das Reisen, sie üben enthusiastisch ihr englisch mit uns, und wir verabschieden uns mit einer herzlichen Einladung nach Porto Alegre. In Itapoa spricht uns eine Schweiz-Brasilianerin namens Simone an, gibt uns jede Menge perfekter Reisetipps, und kommt am nächsten Morgen nochmal vorbei, um uns mit Kartenmaterial und Früchten aus ihrem Garten zu versorgen.

Auf Campingplätzen hat man eigentlich immer sofort Kontakt mit seinen Nachbarn, tauscht Adressen und Tipps aus und bekommt häufig noch irgendwelche Leckereien zugesteckt. In Bombinhas werden wir von Luiz und Denise erst mit Garnelen gefüttert, und schließlich noch mit einem kompletten perfekt gegrillten Fisch!

Irgendwann bekommen wir eine E-mail von zwei Medizinstudenten aus Florianopolis, die im Vorbeifahren unsere Website notiert haben. Isadora und Henrique mögen einfach Overlander und alles, was mit Reisen zu tun hat, und ob wir irgendwas brauchen. Nun, brauchen tun wir eigentlich nichts, aber wieder freuen wir uns über ausführliche Reisetipps, und abends fahren die beiden tatsächlich anderthalb Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns, um uns kennenzulernen, und ein paar Bierchen mit uns zu trinken – für uns einer der hier ganz seltenen Ausgehabende.

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Wir sind bereits restlos begeistert von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Brasilianer, als wir eines Abends an einem Campingplatz vor verschlossenen Türen stehen. Es ist der einzige weit und breit, und wir sind noch ein bißchen unschlüssig, als jemand mit dem Auto vorbeikommt. Moacir wohnt gleich um die Ecke, hat selbst ein “Motorhome”, und lädt uns ein, vor seinem Haus zu übernachten. Das machen wir gern, und nachdem wir uns mit der Familie bekannt gemacht haben, lassen wir uns neben unserem Auto nieder, um in Ruhe ein Bier zu trinken. Daraus wird nicht so viel. Der Nachbar links kommt vorbei und hält ein Schwätzchen mit uns. Der Nachbar rechts kommt vorbei und schwatzt mit uns, und schickt schließlich noch einen weiteren Nachbarn, denn der ist deutschstämmig, und bringt gleich noch im Auto seine Frau, seinen Hund, und seine deutsche Mutter mit – eine bezaubernde alte Dame, die akzentfrei mit uns plaudert.

Am nächsten Morgen finden wir bei unseren Gastgebern einen liebevoll für uns gedeckten Frühstückstisch – direkt neben dem Motorhome, mit dem die Familie, nunja, gewissermaßen ihren Wohnraum teilt. Ein wirklich lustiger Anblick, seht selbst… Smile! Débora, die Tochter die aus London zu Besuch ist, fährt uns zum Strand, und zeigt uns, wo sie im Januar geheiratet hat. Danach werden wir ganz selbstverständlich zum Familien-Mittagessen eingeladen. Bevor wir aufbrechen gibt es noch Abschiedsgeschenke, ein für uns gemaltes Bild, eine Handarbeit, wieder Fotos und innige Umarmungen.

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Wir lieben die Gesellschaft dieser herzlichen Menschen! Ab und zu genießen wir es aber auch, ohne Campingplatz in der freien Natur zu zweit zu sein. Dann fahren wir in die Berge und schlängeln uns zusammen mit jeder Menge Motorradfahrern (die uns zu unserem Staunen ebenfalls häufig grüßen und winken) kurvenreiche Passstraßen hoch und runter, bevor wir uns ein einsames Plätzchen zum übernachten suchen.

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Autofahrende Overlander verteilen übrigens heutzutage Visitenkarten (wir haben das irgendwie verpasst), viele davon wirklich hübsch und mit ihrem Fahrzeug extra für die Reise gedruckt. Motorradreisende aber haben Aufkleber!

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So lassen wir uns langsam und gemächlich weiter nach Süden tropfen, freuen uns über jeden Tag ohne Regen, und sind gespannt, was uns in den letzten Wochen auf diesem Kontinent noch erwartet.

10 Antworten auf „Brasil 2 – South“

  1. hallo,

    wie schoen fuer euch – und auch fuer mich, das alles verfolgen zu können. habt noch viel spass, wärme, sonne und so viele freundliche brasilianer.
    ich freue mich fuer euch.
    marina

  2. Mega! Liegen eure tollen Erlebnisse daran, dass Marc portugiesisch spricht? Hört sich absolut klasse an und wir freuen uns schon auf unsere Reise nach Salvador da Bahia im nächsten Sommer! LG dag

  3. Tolles Essen und herzliche Menschen in toller Landschaft.
    Eine Freude euch begleiten zu dürfen.
    Weiterhin gute Fahrt.
    Tschau Ate logo
    Boa sortte

  4. Hi friends, what nice you liked the fish. It was a pleasure to us shared it to you. You are very nice. We are very happy be in your website. I hope that we will meet you in your country soon. Good trip. bye. (sorry my poor english). Luiz and Denise

  5. Wow, das klingt ja megatoll. So eine wunderbare Gastfreundschaft und offene Menschen. Kann sich jeder Deutsche was abgucken. Freut mich sehr für euch. Euch noch tolle Erlebnisse. Liebe Grüße Marion

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