Bolivia 1 – North

Die Peruaner behaupten immer, sie selbst seien an die fünfzig Jahre hinter der modernen Welt im Rückstand, die Bolivianer aber hundert. Nun ja, das erste was uns nach der Überquerung der Grenze am Titicacasee auffällt, ist, dass die Bolivianer freundlicher sind. Hier wird wieder gewinkt und gelächelt. Und ja, in der ländlichen Gegend um diesen riesigen See auf dem Altiplano in 3.700m Höhe wird auf dem Feld noch mit Hand gearbeitet und mit Ochsen gepflügt. Fotografieren lassen sich dabei aber auch die Bolivianer nicht gern.

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Das Floß, mit dem wir den See überqueren, könnte locker hundert Jahre auf dem Buckel haben, tut aber treu seinen Dienst.

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Die Hauptstadt La Paz empfängt uns nicht ganz so idyllisch. Der obere Teil El Alto, wo die armen Leute wohnen, liegt auf dem Altiplano bei fast 4.000m. Hier pfeift der Eiswind und treibt dicke Staubwolken vor sich her. Vor unseren Augen wird am hellichten Tag auf offener Straße ein Mann zusammengeschlagen. Zwei Männer halten ihn fest, während ein dritter in aller Seelenruhe zuschlägt. Es gibt ein paar beunruhigte Mienen, aber niemand schreitet ein. Eine beklemmende Atmosphäre. Die Abbruchkante des Altiplano läuft spektakulär mitten durch La Paz. Fast tausend Meter tiefer wohnt dann die Oberschicht, und natürlich auch wir.

Aber auch hier erscheint uns alles ziemlich sozialistisch, grau und freudlos.

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In Bolivien verehrt man keine Nobelpreisträger, sondern Evo Morales, den ersten indigenen Staatspräsidenten, der gerade die Verfassung geändert hat, um für eine dritte Amtszeit kandidieren zu können. Selbst früher ein Cocabauer, hat er den Cocaanbau im Land legalisiert, und sich damit international ins Abseits manövriert. Ihm geht es aber auch mehr ums Inland, und hier lässt er sich mit Infrastrukturprojekten wie der in der Tat spektakulären Seilbahn von La Paz feiern. Sein Konterfei strahlt einem überall entgegen, ‘Evo Si’ steht an fast jeder Hauswand, Si Si Si, mit Dir gehen wir vorwärts, Du gibst uns eine Zukunft, usw.

Wir verlassen das graue La Paz und den Altiplano und begeben uns hinunter, erst in das viel wärmere und einladendere Cochabamba, wo wir abends mal wieder richtig ausgehen, und dann in die schöne Stadt Sucre, die eigentliche Hauptstadt.

Schon im Norden von Peru haben wir eine französische Familie getroffen, die sich wohltuend vom Overlander-Wettbewerb abhebt, bei dem einer cooler und erfahrener ist, als der andere, das größere Auto fährt, die längere Reise macht, mehr gesehen, höhere Berge bestiegen und wildere Sachen unternommen hat. Abgeklärte Abenteurer wie diese blicken auf Fahrer von “Weißware”, wie sie normale Wohnmobile nennen, mitleidig hinab. Vincent und Nathalie haben sich nie groß um sowas geschert. Als sie die Reiselust gepackt hat, haben sie sich schlicht so ein gebrauchtes  “Ding”, wie sie es nennen, gekauft, ihre elfjährige Léa eingepackt, und sind losgefahren. Seit Mexiko haben sie noch Chica an Bord, einen früheren Straßenhund, der in rührender Liebe an ihnen hängt. Wir finden die ganze Familie sympathisch, entspannt und wirklich lässig, und haben uns jedes der vier oder fünf Male gefreut, die wir sie in Peru zufällig wieder getroffen haben. Nun in Sucre erkunden wir die Stadt zusammen, feiern ein bißchen Halloween, dann machen wir uns gemeinsam auf den Weg zur größten Salzfläche der Erde.

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3 Antworten auf „Bolivia 1 – North“

  1. hallo, ihr lieben

    ich friere immer bei euren kommentaren. mein gott, 4000 meter hoch, das muss ja eisig sein. ich lebe hier auf 650 metern und ich finde es derzeit schon saukalt.
    wie ist es denn auf der salzflaeche? auch so kalt?
    macht es weiterhin gut und vielen dank fuer die berichte und die schoenen fotos.
    ps: sind das alpacas auf dem einen bild?

    marina

  2. Hey ihr 2,

    Eure Reiseberichte zu lesen und die tollen Fotos zu betrachten macht sauviel Spass. Noch mehr Spass macht es zu sehen, dass es Euch gut geht. Bleibt gesund!!!
    Noch ganz viele tolle Erlebnisse wünschen Euch

    Jens und Alex aus Frankfurt

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